Ich kann nicht behaupten, dass ich es nicht vorher gewusst hätte.
Mir war klar, dass ich ab dem Augenblick, an dem ich den Webstuhl in Betrieb nehme, keine Lust auf Wohnungs-Sokoban mehr haben werde. Und nichts mehr auf die Reihe bekommen werde. Trotzdem musste ich es tun. Bin ich web-süchtig?

Ja, ich habe mit dem neuen Projekt weitergemacht und konnte tatsächlich schon anweben:

Und wer jetzt denkt: das ist bei den paar Fäden ja keine große Sache, der denkt wie ich … vorher.
Bisher hatte ich mit 4 Schäften gewebt, doch diesmal wollte ich Leinwandbindung weben, also zweischäftig. Die übrigen zwei Schäfte auszubauen, dazu hatte ich keine Lust. Also mal schnell die Verbindungen der Querschemel zu den Tritten lösen, dachte ich. Und los gehts. Aber nein, zuerst müssen noch die unbenutzten Schäfte ein wenig hochgebunden werden, um die Wippen zu entlasten. Aber dann!, dachte ich.
Dann hat die vorderste Wippe im Kasten geschliffen. Nun gut, dann halt nur noch den Wippenkasten ausrichten, so dass die Schäfte senkrecht hängen. Aber dann!
Tja, dann hat es immer noch geschliffen.

Was nun dazu führt, dass sich das Gleichgewicht nach dem Loslassen der Tritte nicht wirklich einstellen will, der Tritt also „drin“ bleibt, bis ich den anderen benutze. Hmpf. Das erinnert mich an den Rollenzug, wenn auch zugegebenermaßen das Fach sauberer öffnet.

Außerdem hat die Benutzung des großen Kontermarschs für diese schmale Kette ein bisschen was von „mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Aber die 10m Kette hätte ich bestimmt nicht auf den Webrahmen bekommen.
Und so kann ich bei den zweiten Zehn wenigstens mal das Anknoten der Kettfäden ausprobieren… wie immer hat alles seine Vor- und Nachteile. 😉

Das hier ist übrigens das verwendete Garn:
im Schuss ein Rowan-Sonderposten, gemixt mit naturfarbenem Cottolin von Herrn Künzl, das ich auch für die Kette verwendet habe. Sehr farbharmonisch und weicher als auf der Abbildung. Ich bin gespannt…

Soviel sei noch verraten:
meine Gewebevorplanung beschränkt sich diesmal auf ein Minimum, die Farb- und Struktureintragungen werde ich spontan und aus dem Bauch heraus arbeiten, frei nach dem Saori-Gedanken: ich bin keine Maschine, versuche auch gar nicht erst wie eine solche zu weben und Fehler gibt es nicht. 😀

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