Obwohl ich ja das Laptop schon eingepackt und eigentlich überhaupt gar keine Zeit zum Schreiben habe, muss ich einfach von meiner Begegnung eben mit einem sehr faszinierenden Wesen im Wald berichtet.

Vor mir auf dem Weg richtete sich langsam etwas auf, was aus der Entfernung wie ein Stein wirkte, sich beim Näherkommen jedoch als das größte Schneckenhaus entpuppte, das ich in unserer Gegend jemals gesehen hatte. Ich konnte nicht anders, als mich hinzuhocken und die Schnecke ein wenig zu beobachten und was soll ich sagen: toll!

Das Scheckenhaus hatte eine wunderschöne Geometrie und die Bewegungen der Schneckenfühler und des Körpers wirkten geschmeidig und dehnbar. Natürlich hatte ich keine Kamera dabei, aber damit ihr euch ein Bild machen könnt, verlinke ich hier mal eine Schnecke bei Wikipedia (Fotograf Mussklprozz), die ein wenig ähnlich aussieht:

Während ich also so dasaß und den langsamen Bewegungen des Tieres zusah, wurde mir klar, dass die Schnecke in unserer Kultur nicht gerade gut weg kommt. Im heimischen Garten gilt die Schnecke als Schädling und im Sprachgebrauch wird sie durchweg negativ bewertet: man ist langsam wie eine Schnecke, zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, oder man schleimt herum bzw. hinterlässt eine Schleimspur.
Dabei ist gerade der Schleim eine geniale Strategie, denn er schützt nicht nur vor Austrocknung und hält manchmal Freßfeinde fern, sondern ermöglicht durch seine Zusammensetzung als Gleitmittel oder Kleber die anstrengende Fortbewegung der Schnecke, die damit sogar glatte Wände hochgehen kann. Naja zumindest könnte, denn die Produktion des Schleims scheint für die Schnecke aufwändig zu sein, so dass jeder Schritt überlegt sein will und man das Tier nicht gerade als Sprinter bezeichnen kann. 😉

Damit aber kann die Schnecke zu einem wichtigen Lehrmeister werden. Denn eines ist die Schnecke immer: sie ist bei sich.
Sie stürmt nicht blind in eine Richtung los, sondern macht sich bewusst und gezielt auf den Weg. Dabei entfernt sie sich nie allzu weit von ihrer eigenen Mitte, und auch wenn die Fortbewegung auf ihrem Weg anstrengend und mühsam wird, gibt sie sich immer selbst ein Zuhause, das ihr Schutz bietet und sogar mitwachsen kann.
Schnecken stehen damit für Meister der bedächtigen Zentrierung und können in hektischen Zeiten hilfreiche Ratgeber sein, um die eigene Mitte wieder finden zu können. Sie betonen die Wichtigkeit, sich einen ganz persönlichen Rückzugsort (mental und/oder materiell) zu schaffen.

Netterweise hat mir die Schnecke einen guten Umzug gewünscht. Na, wenn das mal nicht ein gutes Omen ist! 😉

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