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Ja, ich hab’s getan: die Rollenzüge sind weg. Ich habe auf Kontermarsch umgestellt!

Leider wurde meine schöne, neue Rollenzug-Verschnürung im Laufe der Zeit immer länger und ich weiß somit jetzt auch, warum man keine Standard-Poly-Dingsbums-Schnur aus dem Baumarkt verwenden sollte. Und da ich mich mittlerweile mit den verschiedenen Knotentypen angefreundet habe und der Preis einer möglichen Texsolv-Verschnürung durchaus geeignet ist, leichte Schluckauf-Anfälle auszulösen, habe ich dieses Mal zur Weberschnur von Künzl gegriffen.

Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich eine Rolle aus dem Karton holte, die aussah wie einfache Paketschnur (beim ungefähr 10-fachen Preis), aber der Anblick eines neuen Glimakra-Shuttles und der passenden Pappkarton-Spulenhülsen hat mich wieder mit der Welt versöhnt. Endlich keine stundenlange Fummelei mehr beim Papierröllchen-wickeln für das Handspulgerät! Was für ein Luxus! 😀

Für einige Zeit schlich ich noch um den Künzl-Karton herum, aber Donnerstag Nachmittag war es denn soweit: ich machte mich an die neue Verschnürung.
Strippe für Strippe verband ich Wippen, Schäfte und Querschemel miteinander, wobei ich mich am „Handbuch Weben“ orientierte und die jeweiligen Schnurlängen den Begebenheiten am Webstuhl selbst anpassen musste (auf der Glimakra-Webseite finden sich zwar Verschnürungsangaben, diese beziehen sich aber nur auf eine Texsolv-Verschnürung).

Für mich selbst (wenn der Zeitpunkt da ist, an dem ich mich über vier Schäfte hinauswage) und für jeden, der hier landet, weil er Längenangaben zur Kontermarschverschnürung (horizontaler Kontermarsch) eines Glimakra Standard sucht, sind hier meine Zuschneidmaße:

Schnurlängen-Spickzettel

  1. zwischen den Pferden (das sind die Wippen im Kontermarschkasten) innen: 70cm
  2. zwischen einem Pferd und dem zugehörigen Schaft (außen):
    125cm für die Schnur am Pferd; 54cm für die am Schaft
  3. zwischen einem Schaft und dem zugehörigen, oberen Querschemel:
    140cm am Schaft; 50cm am oberen Querschemel
  4. zwischen der inneren Wippverbindung und dem zugehörigen, unteren Querschemel:
    210cm an der Pferdeverbindung; 50cm am unteren Querschemel

Die Verbindung 2 braucht man 2x pro Schaft; 1, 3 und 4 jeweils 1x pro Schaft
Außer der Verbindung 1, die ich einfach nur mit normalen Knoten (mehrfach übereinander) an den Enden gesichert habe, werden alle Verbindungsschnüre mittig gefaltet verwendet; die Verbindungen werden außerdem nicht durchgängig gezogen, sondern bestehen aus zwei getrennten Schnüren, so dass man die Höhe auch nachträglich noch anpassen und auch leicht wieder trennen kann. Die Knoten dazu habe ich von der alten Rollenzug-Verschnürung meiner Webstuhl-Vorbesitzerin abgeschaut:

Mit dem ersten Knoten kann man am Schaft, an der Wippverbindung und den Querschemeln anbinden oder (wie im zweiten Bild) die zwei Enden einer anderen Schnur einschieben, die dann durch einen einfachen „Brezelknoten“ arretiert werden. Im „Handbuch Weben“ wird diese Verbindung noch zusätzlich mit einer halben Schleife gesichert (S.101), aber bei mir hat es bisher auch prima ohne diese Sicherung gehalten.

Wer wie ich nach dem „Handbuch Weben“ von Erika Arndt vorgeht, sei gewarnt: Zeichnung 147 auf Seite 104 stellt keine korrekte Verschnürung dar, sondern nur ein generelles Schema, denn pro Schaft wird nur einer der Querschemel mit dem Tritt verbunden, nicht beide! Wer liest, ist hier klar im Vorteil, denn im Text steht es ausführlich drin.

Gestern Abend konnte ich mich schließlich an die Verschnürung der Tritte machen. Da sich diese mit jeder neuen Bindung ändern wird, habe ich hier wieder zum Polygarn gegriffen und die Schnüre, die vom oberen Querschemel kommen, die also nach unten ziehen, weiß verschnürt (wie auch in der Bindungspatrone). Die Schnüre vom unteren Querschemel (die die Schäfte nach oben ziehen) sind aus der dunkleren Weberschnur gemacht. Das erleichtert mir den Überblick an den Tritten.

  1. zwischen oberem Querschemel und Tritt:
    50cm am Tritt; 110cm am oberen Querschemel
  2. zwischen unterem Querschemel und Tritt:
    50cm am Tritt; 73cm am unteren Querschemel

Irgendwann war es dann soweit: ich kroch aus dem Webstuhl heraus, habe die Schafthalter und Feststeller entfernt und zum ersten Mal die vier Tritte ausprobiert…

(Fortsetzung folgt)

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