Das Wetter ist oberscheußlich. Der angekündigte Sturm ist in der Nacht ausgeblieben, dafür hat er uns nun am Tag erreicht. Nicht so stürmisch wie erwartet, aber dafür mit seeeehr viel Wasser. Selbst der Hund hat mich ungläubig angeschaut und ist wie angewurzelt auf der Schwelle stehen geblieben, als ich heute Mittag mit ihm raus wollte. Nachdem wir dann erst mal wieder trocken waren, habe ich mich gleich an den Webstuhl getrollt und, untermalt vom Grollen des Donners, die Fäden durch die Riete gezogen.Ich kann gar nicht mehr sagen, warum ich ausgerechnet das 40er Blatt gewählt habe; aber um auf die berechneten 45 Fäden/10cm zu kommen, habe ich einen 1-1-1-1-1-1-1-2-Rhythmus gestochen.
Erst nach einem Drittel des Blattes konnte sich mein Unterbewusstsein Gehör verschaffen und wies mich darauf hin, dass bei den vielen Dreierzahlen das neue 30er Blatt u.U. ein besseres Einzugsverhältnis ergeben hätte. Und ein Nachrechnen brachte mich doch tatsächlich zu einem 2-1-Rhythmus. Hmpf.
Was nun? Alles wieder raus und neu stechen? Oder mit dem 40er weitermachen?

Meine Suche in Büchern und im Internet nach Informationen zum Thema brachte nur einen brauchbaren Hinweis zu Tage: „Der Blattstich hat … keinen Einfluss auf die Bindung, aber manchmal soll er die Wirkung der Bindung unterstützen“ (Erika Arndt, Handbuch Weben). Wenn ich das dabei angegebene Beispiel auf meinen Einzug übertrage, legt dies nahe, dass ich am besten einen 4-4-4-3-4-4-1 oder einen 4-4-3-1-3-4-4-1 Blattstich verwenden würde. Dafür müsste ich dann allerdings (so ungefähr) ein 15er Blatt besitzen. Also auch keine Lösung. 😦

Und nachdem ich an diesem Punkt angekommen war, entschied ich mich, den gewählten Stich beizubehalten und einfach mal abzuwarten, wie das Ergebnis aussehen wird…

Nach dem Blattstich war das Anknoten dann recht schnell erledigt und so konnte ich stolz mein Werk begutachten.

Vermutlich meint jetzt jeder, dass die Hauptarbeit damit erledigt wäre, aber nein – weit gefehlt. Das Schwierigste steht mir noch bevor:

DIE VERSCHNÜRUNG!!!

Obwohl ja alles für den Kontermarschbetrieb bereit liegt, beschränke ich mich momentan noch auf das Rollenzugsystem. Und selbst bei dem ist mir die Verschnürung der Tritte und Querhölzer doch recht suspekt. Also nicht die Logik an sich, sondern die Knoten und Höhenverhältnisse. Trotzdem werde ich mich davon nicht abschrecken lassen. Morgen geht es an’s Eingemachte…

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