Es ist leer. Ich musste nicht die ganze Nacht durchspinnen, denn ich hatte nur noch sehr wenig Fasern übrig.

Ab morgen früh, der Wintersonnenwende, beginnt die Zeit der Rauhnächte. Die Zeit, in denen die Grenze zwischen den Welten besonders dünn ist und sich daher auch leichter orakeln und in die Anderswelt reisen lässt. Und weil dies immer für beide Richtungen gilt, nahmen sich die Menschen traditionell vor der sog. Wilden Jagd in Acht.
Das Brauchtum kennt die verschiedensten Regeln, die sicherstellen sollten, den Zug der Geistwesen nicht zu erzürnen oder gegen sich aufzubringen, u.a. eben auch die, dass der Wocken vor Beginn der Rauhnächte abgesponnen sein sollte. Die Nacht davor wurde daher auch als „Durchspinn-Nacht“ bezeichnet.
Ein weiteres probates Mittel, die Geister zu feiern (und sie sich gleichzeitig vom Leibe zu halten), war die Veranstaltung eines „Heidenlärms“, was wir getreulich Jahr für Jahr mit unseren Böllern, Knallern und Raketen zum Jahreswechsel und mancherorts durch die Perchtenumzüge Anfang Januar fortsetzen.

Wird mein Spinnrad also stillstehen in der nächsten Zeit?
Ich denke ja. Auch wenn ich zwischen den Jahren arbeiten gehen muss (da mein Arbeitgeber wenig Verständnis für heidnisches Brauchtum aufbringt 😉 ), möchte ich doch die restliche Zeit bewusst verbringen – am liebsten mit schamanischen Dingen, denn tatsächlich erscheint mir die Grenze in diesen Tagen ein wenig „dünner“ und damit leichter passierbar.

 

Die kommenden Tage und Nächte empfinde ich als ideal, um dem Thema „Hoffnung“ nachzuspüren, denn in der größten und längsten Nacht des Jahres wird das Licht quasi neu geboren. Und auch wenn die Folgen noch nicht unmittelbar sichtbar sind, da die nächsten Wochen noch sehr kalt und rau sein werden, ist der Umkehrpunkt doch schon erreicht.
Wie in der Natur die Samen vor dem Austreiben noch unter einer schützenden Schneeschicht schlafen, so können auch wir die Zeit mit träumen und in-uns-hören verbringen. Vor einem Neustart liegt eben oft eine Phase der erzwungenen Ruhe, in der Energie und Kraft gesammelt werden können. Aus diesem Grund werde ich tatsächlich höchstens rituell spinnen, aber nicht aus reinem Zeitvertreib oder gar einer Verpflichtung heraus.

Und da ich mir auch nicht die Zeit zum Bloggen nehmen werde, wünsche ich euch allen jetzt schon ein schönes Jul- bzw. Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr mit viel Hoffnung und vielen Träumen!

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