Wenn es kalt und dunkel draußen ist und die Jahreszeit von Glühwein und Kerzen bestimmt wird, dann ist das im allgemeinen auch die Zeit, in der man sich Gedanken über seine Lieben macht – die Verstorbenen und die Lebenden. Je nach Eigenheiten und Lebenssituation vergräbt man sich vielleicht in Erinnerungen und Grübeleien, oder man stürzt sich in den allgegenwärtigen Trubel von Weihnachtsfeiern, Partys, Marktbesuchen und Einkaufsräuschen. Die Anstrengungen, für jeden ein schönes und vor allem ganz individuell passendes, wohlüberlegtes Geschenk zu finden oder gar selbst zu machen, können sehr groß sein, die Einkaufstempel zu dieser Zeit ganz besonders voll, die Ansprüche zunehmend höher und teurer.

Wer dabei gerne mal vergessen wird, ist man selbst. Und damit mir das in diesem Jahr nicht passiert, habe ich den Monat Dezember zu meinem „Monat der Eigenliebe“ auserkoren.
Das klingt vielleicht komisch, denn sonst beklage ich mich eher über die mehr oder weniger krassen Auswüchse von Egoismus und Rücksichtslosigkeit um mich herum. Aber ich spreche auch nicht von verstärktem Konsum oder dem Vernachlässigen der anderen (keine Panik, Sohnemann, Weihnachten fällt trotzdem nicht aus! 😉 ), sondern von der Aufmerksamkeit, die ich mir selbst schenke, bei allem, was ich tue. Und um die Haltung, mit der ich mein eigenes Tun betrachte und beurteile.

„Wenn du gehst, gehe. Wenn du sitzt, sitze.“, sagt ein asiatisches Sprichwort. Wie schwer das ist und wie selten ich das mache, fällt mir erst jetzt auf, nachdem ich mit Übungen zur Achtsamkeit begonnen habe. Setzt man sich ruhig hin und versucht nur auf den eigenen Körper, z.B. den Atem zu achten, geht es nur wenige Sekunden, im besten Fall ein paar Minuten, bis der Verstand seine übliche Routine abspult. Es wird gedacht, erinnert, geplant, verurteilt, gesorgt auf Teufel komm raus. Dasselbe findet bei fast allen Tätigkeiten statt, die nicht unsere volle Aufmerksamkeit beanspruchen. Selbst beim Autofahren hab ich mich schon dabei erwischt, wie ich „auf Autopilot“ umgeschaltet hatte.
Nicht schlimm, mag man meinen, so ist er halt, der Verstand. Das stimmt auch grundsätzlich, aber deshalb muss es ja nicht so bleiben. Ich möchte gerne die Dinge, die ich mache, so intensiv wie möglich erleben und nicht den Großteil meines Lebens mit Denken verbringen: Denken über meine Handlungen, Denken über Vergangenes, Denken über meine Gefühle, über …
Ich mag den Großteil meines Lebens lieber SEIN, also handeln, erleben und empfinden. Deshalb auch die Übungen.

Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, eingeschliffene Muster sind nun mal schwierig zu verändern; aber immer wieder gibt es Gelegenheiten, die Dinge achtsamer zu tun, als man das normalerweise macht. Vor allem auch bei solchen Tätigkeiten wie dem Spinnen oder dem Weben. Und Übung macht ja bekanntlich den Meister – in dem Fall den Lebensmeister. 😀

Frohe Weihnachten!

Zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, möchte ich euch allen deshalb nicht nur eine schöne Advents-Restzeit und tolle Feiertage wünschen, sondern vor allem eine liebevolle und intensive Zeit mit euch selbst, wie auch immer ihr sie verbringen werdet!

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