Das Gedenkgarn wollte an diesem Wochenende unbedingt weiterverarbeitet werden und so habe ich mir ernsthaft Gedanken über die verschiedenen Möglichkeiten gemacht. Beim Blättern in „Intertwined“ bin ich an einem Effektgarn „Twists“ hängengeblieben und endlich entstand vor meinem inneren Auge die Idee:
ein schwarzes Gestrick oder Gewebe, aus dem immer wieder bunte „Würmchen“ herausschauten. Nur dumm, dass im Beschreibungstext zur Technik folgendes zu Lesen stand: „So if you are going to use 100 percent wool you must spin it thick and thin!“ … und mein buntes Garn war nun mal nicht dick und dünn gesponnen, sondern erstaunlich gleichmäßig mitteldünn.

Oftmals glaube ich ja, was ich lese ;-), aber diesmal wollte ich die Idee nicht so schnell aufgeben und so jagte ich das Garn ein weiteres Mal durch’s Spinnrad und gab Drall drauf. Und weil’s so schön war, einfach nochmal.
Am Schluss hatte ich einen bunten Single, der bei der kleinsten Entlastung zu vielen kleinen Würmchen zusammenschnurrte. Diese Würmchen sollten sich also wieder auflösen? Hm…
Ich sponn ein schwarzes Grundgarn; etwas dicker als das Bunte, da es die Farbe des Grundgewebes ja dominieren sollte.

Und dann kam der spaßige Teil – ich begann die zwei Spingles miteinander zu verzwirnen. Nach 15-20 Zentimetern ließ ich den bunten Single zusammenschnurren und hielt das Würmchen am schwarzen Single fest, bis der Rest des Garnes gleichmäßig verzwirnt war. Dann konnte das Stück ins Rad wandern.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich vor einiger Zeit mit einem Achtsamkeits-Training begonnen habe? Das Zwirnen dieses Garns war eine wunderbare Gelegenheit besonders achtsam zu handeln, denn es fühlte sich zu Beginn ganz fürchterlich unhandlich und falsch an. Ich hätte mindestens vier Hände gebrauchen können und selbst dann wäre es wohl noch schwierig gewesen, alles miteinander zu koordinieren. Das Aufrechterhalten des „Anfängergeist“ fiel mir definitiv nicht schwer und erst gegen Ende hin konnte der Verstand auf gewohnte Art und Weise seinem ständigen Hin-und-Hergerenne wieder nachgehen.

Und tatsächlich entstand ein Garn, wie ich es mir vorgestellt hatte – naja, zumindest nach einigen Metern (wofür gibt es Scheren?) 😉 Eineinhalb Spulen voll kleiner bunter Würmer landeten im Wasserbad und konnten sich dort entspannen. Das Wasser hatte ich diesmal ziemlich heiß gemacht, so dass sich die Fäden hoffentlich gut miteinander verbinden würden.

Während die Würmlis badeten (oder vielmehr siedeten), machte ich mir Gedanken über die weitere Verwendung. Eigentlich hatte ich mir ja eine Mütze stricken wollen, aber dafür erschien es mir inzwischen zu viel Garn zu sein. Vielleicht ein Schal? … Gewebt oder gestrickt? … Eine Strickprobe musste her!
Mit dicken 8er Nadeln waren die ersten paar Meter Anfangsgarn schnell verstrickt und obwohl das Garn alles andere als gelungen war, sah das Gestrick doch ziemlich cool aus:

Damit war die Entscheidung gefallen:
Wenn die Stränge trocken sind, werde ich sie wiegen und den Verbrauch für einen Strickschal hochrechnen… hoffentlich reicht’s! 🙂

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