Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: am nächsten Wochenende wird der 20. (!!!) Spinntreff stattfinden.

Und zu dieser Gelegenheit steht etwas ganz besonderes an: eine Art „Reise nach Jerusalem“ oder wie es der Mann von Frau Irmi treffender ausdrückte – ein Spinnrad-Speed-Dating.
Die Spinnräder stehen wie immer in der Runde und jede Spinnerin wandert mit ihren Fasern von Rad zu Rad, so dass jeder am Schluss dasselbe Garn (wenn auch in anderer Reihenfolge) mit nach Hause nehmen kann… quasi ein 20.-Spinntreff-Gedenk-Garn. Irgendwann vergleichen wir dann mal, was aus den Garnen gemacht wurde.

Da der Termin unerbittlich näher rückt, habe ich das Wochenende genutzt, um meine Faservorräte zu sichten. „Kuschelig“ sollte es sein – so die Wunschvorstellung aller Teilnehmerinnen – so dass man es auch direkt auf der Haut tragen kann. Damit fiel leider der Großteil meiner Faservorräte wie Waldschaf und Moorschnucke weg. Die Merinoflocken hätte man noch kardieren oder kämmen müssen – auch erledigt. Damit blieb nur noch ein heller, ungefärbter, süddeutscher Merinokammzug übrig.

Passend zu den weiteren Planungen rückte der Postbote mit einem vorgezogenen Weihnachts-Eigengeschenk an:
Intertwined: The Art of Handspun Yarn, Modern Patterns, and Creative Spinning (Handspun Revolution) von Lexi Boeger hatte endlich den Weg in meinen Haushalt gefunden (ist es nicht schön, wenn man eine Mindestbestellmenge einhalten muss?!) und kam mir als Inspirationsquelle gerade recht.
Und das ist dieses Buch fürwahr!

„Intertwined“ ist kein Buch, das ich gerne von vorn bis hinten durchlesen möchte. Es ist ein Mischmasch aus persönlichem Arbeitstagebuch, Darstellungen verschiedener Projekte und Spinntips und kommt ebenso chaotisch rüber wie die Mehrheit der dargestellten Garne aussehen. Doch gerade dadurch lädt es zum Schwelgen in Farben und Strukturen ein und macht Mut zum Außergewöhnlichen und Flippigen, das jenseits des klassischen Garnangebots liegt. Nicht viele der dargestellten Projekte treffen meinen persönlichen Geschmack, aber das macht nichts. Es ist ein sprühendes Plädoyer für Experimentierfreude und gerade deswegen ist es mir so sympathisch. Denn ich halte es zwar einerseits für wichtig, traditionelle Herangehensweisen zu kennen, die meist aus einem jahrhundertelangen Erfahrungswissen entstanden sind, andererseits sich aber auch die persönliche Freiheit zu erhalten, um eigenes erfahren und ausprobieren zu dürfen – egal was Handwerk und Tradition dazu sagen. Nicht weil ich zwanghaft anders sein muss, sondern weil ich meinen persönlichen Weg gehen und meine ganz eigenen Projekte verwirklichen möchte.

Allerdings darf auch ein großes Minus des Buches nicht verschwiegen werden: „Intertwined“ lässt den spontanen Wunsch nach einem Trommelkardierer entstehen, womit einem die Realkosten dieses Buchkaufes die Tränen in die Augen steigen lassen 😉

Doch zurück zum Spinntreff. Angeregt durch die Garne im Buch habe ich mich spontan ans Färben gemacht. Vom Kissen-Projekt war noch angerührte Säurefarbe übrig und verblüffenderweise auch noch nutzbar. So entstand ein wildes Blau-Schwarz-Grau-Weiß-Gemisch, das ich dick-dünn ausziehen möchte. Gerne würde ich ja kleine schwarze Filzklümpchen hineinkardieren, aber für diese Vorbereitung bleibt nicht mehr genug Zeit.

 

Und um die entfachte Spinnlust beim Anblick des Kammzugs ein wenig zügeln zu können, habe ich an einem Reststück ein wenig Dick-dünn-Spinnen ausprobiert. Herrje! *hüstel*
Also es ist erstaunlich, wie schwer es einem nach einiger Zeit des Spinnens fallen kann, ein Garn gewollt unregelmäßig zu spinnen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das am Samstag wirklich hinbekommen werde…

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