Im Moment verfolge ich den Weg der kleinen Schritte:
man kann ja hin und wieder einen großen Sprung machen, aber dauernd rennen klappt nicht. Von daher ist es kein Wunder, dass meine Projekte zwar wachsen, aber dass das Tempo dabei eher schneckenmäßig ist. Anders ausgedrückt: gut Ding will Weile. 😉

Was das Kissen-Projekt angeht, habe ich ca. ein Viertel der Motivoberfläche geknüpft bzw. gewebt.


Die erste Glimakra-Übungskette diente zunächst dazu, mehrere Muster wild durcheinander auszuprobieren, doch nun habe ich mich entschlossen, aus der Restkette einen Schal zu weben. Dabei habe ich mich für einen einfachen Twill-Zickzack entschieden, den ich ohne Variationen bis zum Schluss beibehalten werde. Inzwischen ärgere ich mich auch darüber, dass ich das Billig-Poly-Material gekauft habe. Wenn ich geahnt hätte, dass alles so glatt läuft, hätte ich gleich zu einer schönen Wolle gegriffen.


Tja und kaum steht er da, der Webstuhl, und kaum schaffe ich die ersten paar Zentimeter, brechen auch schon die Ideen über mich herein. In meinem Kopf kreisen Gedankenbilder von Platzsets, Tischdecken, Sofa- und Sesselüberwürfen, Kuscheldecken, Teppichen, Handtüchern, … manchmal frage ich mich, ob ich nicht die Büchse der Pandora geöffnet habe und mich der Drang nach Spinnen, Weben, Planen und Erschaffen völlig vereinnahmen und auffressen wird.

Selbst meine Surfstreifzüge im Internet führen mich überwiegend zu Web-bezogenen Dinge. So stolperte ich beim letzten Mal z.B. über einen Online-Tartandesigner.
Auf Scotweb.co.uk steht ein kleines Stückchen Software, das es einem ermöglicht, seinen eigenen Tartan zu kreieren.

Ein Tartan ist „ein Webmuster, bei dem durch Überkreuzen von Fäden unterschiedlicher Farbe ein Karomuster entsteht“ (Wikipedia) und das wohl überwiegend als 2/2-Köper gewebt ist – das typische „Schottenkaro“ eben. Nur dass die Kombination von Farben und Breiten bei weitem nicht beliebig ist, denn es gibt registrierte und festgelegte Tartanmuster für das englische Königshaus, für militärische Einheiten, Clans, Firmen, …
Die webtechnischen Ursprünge des Tartans scheinen jedoch viel, viel früher zu liegen, denn entsprechende Karo-Köpermuster sind auch in Gräbern der Hallstattzeit, also bei den frühen Kelten der Eisenzeit, gefunden worden und haben sich anscheinend bis nach China verbreitet (Beiträge mit Bildern z.B. hier und hier) – übrigens keineswegs in den gedeckten Erdfarbtönen, die die meisten Menschen zu erwarten scheinen.

Und da mir „Schottenkaros“ schon immer gefallen haben, habe ich ein wenig herumgespielt und eine eigene Kombination erschaffen, die ich irgendwann unbedingt weben möchte: „Seaglow“ habe ich sie genannt.

Meine Inspiration waren die letzten roten Strahlen der untergehenden Sonne über der dunkel-blauen Nordsee, wie ich es in der Abenddämmerung in Dänemark mehrfach erlebt habe. (So ähnlich wie auf diesem Foto von Markus Kolb.)

Ein Rock würde mir sehr gut in diesem Muster gefallen. Nicht gerade ein Mini, eher mittellang, aber mit typisch schottischem Einschlag, also vermutlich in Wickeloptik. Aber dazu brauche ich erst noch Routine und Erfahrung; die Umsetzung wird also noch ein wenig auf sich warten lassen.
Was ja gut zu den kleinen Schritten passt … aber planen wird doch wohl erlaubt sein! 😉

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