An diesem Wochenende habe ich ein Geschenk erhalten, dass ausnahmsweise überhaupt nichts mit Fasern zu tun hatte. Denn dieses Wochenende stand völlig im Zeichen der Ruhe und dem Schamanischen – „Entschleunigung“, wie man es neudeutsch wohl nennt.

Der schamanische Begriff, den ich dafür verwende, ist „Leben im Hier und Jetzt“ und bezeichnet einen Zustand, in dem unser Denken leise wird, in dem die Konzentration auf eine Sache zunimmt, während sich der Geist weitet, alles andere, die Vergangenheit mit ihren verschiedenen durchlebten Situationen und die Zukunft mit Plänen, Wünschen und Vorstellungen, in den Hintergrund tritt und nur eines wichtig ist: das Hier und Jetzt. Meist, wenn man merkt, dass man sich in einem solchen Zustand befindet, ist er auch schon wieder vorbei.
Und doch gibt es Techniken, mit denen man diesen Zustand fördern und herbeiführen kann. Ich habe für mich mehrere Methoden gefunden, die sehr gut funktionieren; einzeln wie auch miteinander kombiniert. Das Wandern oder Sitzen in der Einsamkeit der Natur gehört dazu, das Lauschen des Klanges der Welt im Schlagen einer Trommel, das Schleifen von Holz und das Spinnen.
Die Rahmenbedingungen sind simpel, aber in der heutigen Zeit nicht immer einfach zu realisieren: kein Zeitdruck und keine wartenden Verpflichtungen oder Personen, kein Erwartungsdruck. Einfach machen und sein.
Und genau das habe ich an diesem Wochenende gemacht. Da ich mich oft im Wald befinde, habe ich selten Probleme, Routen und Wege zu benutzen, auf denen ich niemandem begegne. So war ich stundenlang im Wald unterwegs und konnte völlig aufgehen im satten Grün und Gelb um mich herum, den Geräuschen der Tiere und Pflanzen und dem Wind im Gesicht. Und endlich war es wieder da. Das Gefühl, mit allem eins zu sein, ein Teil zu sein, anstatt nur als Beobachter dabei zu stehen. Ein Gefühl von Glück, das ruhig und zuversichtlich macht.
Das mir aber auch wieder klar macht, wie häufig mein Leben in anderen Bahnen verläuft, als ich das gerne hätte. Wie ungesund und „unheil“ meine Prioritäten manchmal sind … sein müssen… müssen sie das? Doch das ist ein anderes Thema.

Wieder zuhause, konnte ich die Arbeit fortsetzen, die mich nun schon seit vielen Monaten begleitet: ich habe meine Trommel weitergebaut. Der Zeitpunkt war gekommen, den Trommelgriff zu machen. Ich verwendete dafür ein Holunderholz ohne Risse mit der richtigen Grundform und dem passenden Durchmesser, das ich vor Jahren gefunden und seitdem in meinem Keller getrocknet hatte. Und schliff. Stundenlang. Natürlich mit der Hand, denn schamanische Kraft- und Ritualgegenstände werden soweit als irgend möglich aus eigener Körperkraft gebaut. Heraus kam ein wunderschönes Stück Holz mit einer reichhaltigen Marmorierung, die sich durch das abschließende Einölen noch intensivierte.

Der Zeitpunkt der Fertigstellung meiner Trommel ist wieder ein Stückchen näher gerückt mit diesem Wochenende. Und mit im Gepäck kamen auch einige Einsichten und Klarheiten, für die ich dankbar bin.

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