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Eigentlich wollte ich diesen Artikel zunächst „Ich gebe auf“ nennen. Denn ein wenig fühlte ich mich so. Da hatte ich dieses wunderbare Angebot eines Webstuhls in Nord-Holland gefunden, war nach einer spontanen Entscheidung an einem Tag hin und zurück gefahren und habe einen Haufen Holz mitgebracht, im festen Glauben, daraus einen funktionierenden Webstuhl bauen zu können. Doch leider kam es anders. Nicht nur, dass die Webbreite kleiner als angegeben war. Nein, auch die wichtigsten Teile fehlten – nämlich alle Metallteile zum Feststellen und Bedienen der Bäume. Den Hersteller Varpapuu gibt es nicht mehr und mein Know-How, sowohl was Webstühle angeht, als auch Metallbau, reicht für eine Wiederherstellung in überschaubarer Zeit nicht aus. Auch wenn ich gerne rumwerkle, aber ich wollte mir einen Webstuhl zum Weben und nicht zum Bauen kaufen und gebe deshalb erst mal auf.

Nicht aufgegeben habe ich hingegen den Traum vom eigenen Webstuhl. Und wie so oft, wenn etwas wirklich wichtig ist, scheint das Schicksal die ein oder andere Gelegenheit an den Wegesrand zu stellen. Vielleicht bin ich ja deshalb über eine weitere Anzeige bei marktplaats.nl gestolpert, ohne gezielt danach gesucht zu haben. Und über einen weiteren Webstuhl skandinavischer Bauart. Einen Glimåkra Standard. Im Gegensatz zum letzten Angebot allerdings mit einer wirklichen Webbreite von 1,20m und einem höheren Preis. Dafür noch in Benutzung und auf den abgebildeten Fotos mit Webkette und halbfertigem Gewebe. Die Anzeige ließ mich nicht mehr los und brachte mich schließlich dazu, die Anbieter in den Niederlanden per Email zu kontaktieren. Es folgte ein sehr angenehmer Mailkontakt, an dessen Ende meine Entscheidung stand, noch einmal gen Holland zu fahren, den Webstuhl anzusehen und gegebenenfalls zu kaufen.

Am Mittwoch morgen machten wir uns auf den Weg. Und tatsächlich: der Webstuhl entpuppte sich als Schätzchen in super-gutem Zustand so dass die Entscheidung schnell gefällt war. Der Verkäuferin, einer ausgebildeten Weberin und Modedesignlehrerin, fiel der Abschied von ihrem 25jährigen Webbegleiter sichtlich schwer und wir verbrachten eine angenehme Zeit im Garten des netten Ehepaares mit Kaffeetrinken und Schwätzen, bevor der Abbau begann. Und der war wirklich schweißtreibend. Nicht nur, dass das sperrige Holz über zwei enge Dachgeschosstreppen vorsichtig heruntergetragen werden musste – die zwei Seitenteile waren auch noch zu groß für diesen Weg, so dass nur das Abseilen über den Balkon blieb.
Die letztliche Übergabe der Shuttles war ein berührender Augenblick und ich freue mich, dass ich die Vorbesitzerin persönlich kennenlernen und auch einige ihrer Arbeiten bestaunen durfte. Mit Essen, kühlen Getränken (nochmal viiielen Dank!!!!) und vielen guten Wünschen bedacht, machten wir uns schließlich am Nachmittag wieder auf den Heimweg… nur um dann in weltuntergangsmäßige Wetterverhältnisse zu geraten. Wir fuhren durch zwei Gewitter, errieten vor lauter Regen und Hagel die Fahrbahn mehr, als dass wir sie gesehen hätten und zitterten nicht nur wegen eines Blitzeinschlages in unmittelbarer Nähe des Autos, sondern auch wegen der zwei Seitenteile des Webstuhls auf dem Dachgepäckträger. Ob die Verpackung das Holz wohl wasserdicht halten würde?

Sie hielt. Und dank des generalstabsmäßig geplanten und straff organisierten Abbaus gelang uns auch der Wiederaufbau des Glimakra, so dass er noch am selben Abend Einzug halten konnte.

Im Moment ist noch ein Rollenzugsystem mit 4 Schäften und 6 Tritten montiert, aber ich werde mich wohl am Kontermarsch versuchen, der ebenfalls dabei war. Allerdings nicht gleich mit allen 8 Schäften und Tritten, denn ein wenig ehrfurchtseinflößend ist er schon, der Große.

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