Und weiter gehts mit dem Kissen-Projekt.

Nachdem ich in der letzten Woche gesponnen hatte, konnte ich mich nun an das Färben des naturfarbenen Merinogarnes machen. Für mein Motiv möchte ich drei Farben verwenden: Orange, Blau und Dunkelblau. Nur wieviel von jeder Farbe?

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als zunächst das Gewebe genauer zu planen. Ich zog eine schmale Testkette auf den Webrahmen und webte bzw. knüpfte mehrere Reihen mit einem ungefärbten Garnstück. Erst nach drei Anläufen konnte ich die korrekte Gatterkammbreite bestimmen, passend zu den beiden verwendeten Garnen. Und inzwischen frage ich mich, warum ich eigentlich für teuer Geld alle Gatterkämme gekauft habe, wenn ich bisher fast immer (und diesmal wieder) beim 7.5dpi also 30/10er gelandet bin?!

Hier mal das kleine Probegewebe von vorne und hinten:

Anhand der gewebte Probe konnte ich die optische „Auflösung“ des Gewebes bestimmen: 6 Knoten waagrecht in 6 Reihen senkrecht ergibt eine Fläche von 4cm x 3cm (BxH). Damit wiederum konnte ich eine Gesamtgröße (bei 40cm auf 40cm) von 60 Knoten mal 80 Reihen berechnen.
Im nächsten Schritt ließ ich meine Tabellenkalkulation ein Karopapier in genau diesen Maßen ausdrucken und zeichnete mein geplantes Motiv auf das Papier. Die am besten passendsten Karos färbte ich mit Buntstiften ein, so dass ich am Schluss nicht nur das komplette Webmuster hatte, sondern auch die Farbverteilung der Kästchen abzählen konnte. *ächz*

Da ich aufgrund meiner Webprobe nachvollzogen hatte, dass ich für 30 Knoten ca. 2g Garn benötigte, kam ich auf Wollmengen von ca. 200g Blau, 90g Dunkelblau und 60g Orange. Nicht schlecht, wenn ich bedenke, dass ich knappe 400g Garn gesponnen hatte. Nur leider zu wenig für zwei Seiten.
Die doppelte Menge an Garn hätte ich nicht färben können, da ich nur 10g Blau-Pulver hatte und so entschloss ich mich, zwar dasselbe Motive auf die Rückseite des Kissens zu weben, aber Vorder- und Hintergrundfarbe zu tauschen.
Die benötigte Farbmenge rührte ich gleich mit an und werde so das erforderliche Garn nach dem Spinnen im selben Farbton nach-färben können.


Beim Anrühren der Farblösungen hielt ich mich streng an meine „Färbebibel“ von Gabriele Breuer: 1000 Farben auf Wolle und Seide – bis auf einen kleinen Fehler: ich hatte Buch und Farben gleichzeitig gekauft und anstatt des von Fr. Breuer verwendeten Grundfarbtons „Hot Pink“ hatte ich „Scarlet“ bestellt.

Um einen Orangeton zu erreichen, hätte ich Rot und Gelb im Verhältis 1:1 mischen müssen, da aber in „Scarlet“ lt. Fr. Breuer bereits ein Gelbanteil enhalten sei, mischte ich die Pulver direkt im Glas im Verhältnis 4:1 an. Leider wirkte das Ergebnis eher Pink als Rotgelb, so dass ich zusätzlich das reine Gelb anrührte, um durch eine weitere 1:1 Mischung der beiden Farben immerhin einen gelb-roten Farbton zu erhalten. Eigentlich hätte ich gerne einen helleres Orange gehabt, aber da schon das Gelb im Glas sehr dunkel wirkte und ich mir nicht sicher war, wie die Farbe auf der Wolle überhaupt herauskommen würde, beließ ich es dabei und trug die 120ml Farbe mit der Spritze auf das eingeweichte Garnbündel auf. Ein wenig Kneten mit anschließendem Einpacken des Stranges und die dreifache Mikrowellenfixierung konnte beginnen.

Schon nach kürzester Zeit zogen nicht gerade leckere Essigdünste durch das Haus und ich war froh, den Rest der Familie fernab der Heimat zu wissen. Und obwohl mir die 3 mal 3min beim Lesen doch ziemlich knapp vorgekommen waren, dehnte sich die Zeit mit der dazwischenliegenden „Fixierpause“ und der abschließenden Abkühlphase doch ziemlich in die Länge. Voller Spannung packte ich schließlich das erste Bündel aus und bewunderte… ein warmes Rot mit eine Stich ins Orange. Zu wenig Gelb aber dennoch ein wunderschöner Farbton. Ob „Scarlet“ tatsächlich einen Gelbanteil mitbringt? Das müsste sich doch in einem helleren Orangeton niederschlagen, oder? Hm….

Anschließend machte ich mich an das Blau. Ich wollte es ein wenig heller, als mir der angerührte Farbton verhieß, und so führte ich eine weitere Mischung mit reinem Essigwasser im Verhältnis 1:3 (Blau:Klar) durch; schließlich sollte sich der spätere dunkelblaue Farbton (den ich mit Schwarz mischen wollte) klar hervorheben.
Wieder nebelte ich das Haus ein und wieder zog ich eine kleines Überraschungspacket aus der Frischhaltefolie. Und siehe da: Blau klappt besser! Das helle Blau ist exakt so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Noch dazu ein wenig unregelmäßig, so dass sich ein lebhaftes Bild ergeben sollte.

Abschließend kam das dunkle Blau dran, diesmal 3:1 (Blau:Schwarz) und dieser Farbton wurde ein wenig zu hell und (diesmal leider) ziemlich unregelmäßig gefärbt. Ich könnte ja nochmal darüber färben, allerdings würde sich das für die zweite Färbeaktion wohl niemals identisch wiederholen lassen, so dass ich nun am überlegen bin, als Randfarbe der Rückseite ein dunkles Orange zu wählen. Mal sehen…

Fazit:

– Färben ist langwierig und aufwändig, also am besten färbt man vieles in einer einmaligen Hauruck-Aktion. Aber es macht Spaß!
– Das Treffen eines gewünschten Farbtones bedarf der Übung
– Das Verhältnis 200ml Lösung auf 100g Wolle passt sehr gut
– Scarlet ist kein HotPink
– Ich mag keinen warmen Woll-Essiggeruch
– Preislich ist Selber-Färben vermutlich eher ein Minusgeschäft
– Wenn man es nicht des Spaßes wegen macht, lohnt es sich vermutlich am ehesten noch für ganz besondere Farbzusammenstellungen oder Effekte, die man so nicht kaufen kann

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