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Nachdem ich die Wasch-Aktion „Waldschaf“ zu meiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen hatte, wollte ich mir als nächstes die Merinowolle vornehmen. Voller Vorfreude öffnete ich den Karton … und erstarrte.
Was für ein Kontrastprogramm. Kot, Dreck und nochmal Kot in ganzen Fladen.
Ich hatte nicht gewusst, dass Merino-Schafe mit Wildschweinen verwandt sind. Und dass es Punk-Merinos gibt, hatte ich auch nicht erwartet, bis mir ein wildes Neongrün entgegenleuchtete.

Vermutlich war es nur meiner ausgeprägten Sparsamkeit zu verdanken, dass der Karton nicht sofort im Müll landete (nein, ich habe keine schwäbischen Vorfahren! 😉 )
Mit spitzen Fingern zog ich mehrere Stücke Merino aus der Pappe und versenkte sie zum Einweichen im Eimer. Und tatsächlich: nach dem zwanzigsten Waschgang, abwechselnd mit heißen Dauerbädern ohne Bewegung (schließlich wollte ich ja keinen Filzball erzeugen), konnte man wenigstens die Grundfarbe der Fasern erkennen. Doch viel schlimmer als der Dreck waren die Pflanzenteilchen, die sich zwischen den Fasern versteckten und sich auch durch heftigstes Waschen nicht herauslösen ließen. Und da ich nicht Aschenbrödel bin und nicht für die nächsten zehn Jahre manuell sortieren wollte, war guter Rat teuer.

Meine letzte Hoffnung waren deshalb Wollkämme, von denen ich gehört hatte, dass sie kurze Fasern, Dreck und verfilzte Stellen beim Kämmen quasi automatisch auslesen würden.
Leider haben meine Wollkämme einen kleinen Schönheitsfehler – sie sind noch nicht gebaut. Und auch die Bauform steht noch nicht genau fest oder vielmehr: stand noch nicht fest.
Bis gestern Nachmittag. Da war ich nämlich beim monatlichen Spinntreff und sage und schreibe zwei Mitspinnerinnen hatten ihre Kämmstationen dabei. 😀 Was für mich bedeutete, dass ich die meiste Zeit abseits des Spinnrudels am Tisch stand und die gefährlich aussehenden Kämme durch die Luft schwang.

Doch bevor es soweit kam, nahm ein anderes Drama seinen Lauf. Angekommen war ich mit 1.5 Tüten Wolle, doch schneller als man „Ich-habe-nun-wirklich-mehr-als-genug-Wolle-und-werde-nicht-noch-einmal-schwach-werden“ sagen kann, hatte ich zwei weitere Rohwolltüten um mich stehen. Die Zuwächse sind schwarz wie Ebenholz und weich wie Samt und hören auf die Namen „Alpaka“ und „Lamm von Nick“.

Von den neuen und alten Schätzen belagert, machte ich mich also ans Kämmen. Doch auch das Kämmen will geübt sein. Hat man erst einmal begriffen, dass es besser ist, mit den Spitzen anzufangen und nicht gleich in die Vollen zu kämmen, dann bleibt auch der Tisch stehen und man schafft einen Kammzug, ohne sich dabei völlig zu verausgaben. Nur an der Verwendung des Dizz – einem kleinen Lochplättchen, durch das die gekämmten Fasern gezogen werden – hätte ich mir fast die Zähne ausgebissen. Bis sich auch hier bewahrheitete: Technik vor Kraft.
Am Schluss konnte ich stolz auf mehrere Kammzüge blicken und mit den kardierten Versionen vergleichen.

Hier mal Lamm und Waldschaf – jeweils links der Kammzug, rechts kardiert mit den Handkarden:

Man könnte sagen, dass der Kammzug „charakterloser“, da ebenmäßiger ist, aber wenn ich ehrlich bin, dann ist mir das zum Verspinnen gerade recht.

Mein Fazit:
Der Aufwand für das Bauen der Wollkämme ist eindeutig angemessen. Ich werde einen breiten Kamm mit einer Tischfixierung bauen, der auch zum Mischen von Fasern verwendet werden kann (sog. Hackle-Board) sowie einen Handkamm dazu. Also so etwas hier:

Der Spinntreff war somit ein voller Erfolg. Es macht immer wieder großen Spaß, mit so vielen unterschiedlichen Frauen (und einem Mann) wie die Hühner auf der Stange zu sitzen, jede mit ihrem Spinnrad vor sich, miteinander zu schwätzen, sich auszutauschen und zu lernen.

Das Wetter hatte nicht nur gehalten, sondern ist sogar noch richtig schön geworden, die Getränke waren gekühlt, das Essen lecker – was will man mehr!
Danke, Julia, für die Bilder (ich hatte ja mal wieder meine Kamera vergessen) und für eure Gastfreundschaft! 🙂

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