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Jahrzehntelang kannte mich mein Umfeld in Hosen. Nur zu wenigen handverlesenen Gelegenheiten zwängte ich mich in einen „Beinschlauch“ und stöckelte in luftigen Absatzhöhen mit unsicheren Schrittchen dahin, nur um bei der ersten und natürlich peinlichsten Gelegenheit umzuknicken oder auszurutschen. Röcke? Nein Danke!
Diese Einstellung hat sich erst in den letzten Jahren verändert. Was die Schuhe angeht, so gehe ich heute keine Kompromisse mehr ein und trage nur noch, in was ich auch sicher und schmerzfrei laufen kann. Und ich greife inzwischen auch bei flachen Schuhen gerne mal zum Rock. Allerdings muss er alltagstauglich sein – also mit hoher Beinfreiheit, nicht zu kurz, manchmal auch recht lang, schwingend, luftig und vor allem individuell.

Aus diesem Grund habe ich mir das Booklet „Das rockt!“ von Beate Mazek gekauft. Das Buch verspricht einen Rock-Grundschnitt, der auf vielfältige Art und Weise (durch Kellerfalten, Rüschchen, Applikationen, …) abgewandelt werden kann. Und genau das liefert es auch.
Klar, wer schon seit Jahren das Burda-Heft bezieht oder häufiger als nur gelegentlich Kleidung selbst näht, der wird dieses Buch belächeln. Und wer noch nie genäht hat, wird aufgrund der sehr knappen Beschreibungen an Grenzen stoßen. Für mich war es jedoch genau das richtige.

Nach dem ersten Stöbern und Nachdenken war klar: ein knielanger Rock sollte es werden, mit Kellerfalten und Musterung. Am liebsten hätte ich den Stoff ja selbst gewebt, aber da ich schon lange nicht mehr genäht hatte, war mir das Risiko zu groß, dass etwas schief gehen und die Arbeit für die Tonne sein würde. Erst mal mit einem gekauften Stoff ausprobieren, dachte ich mir und entschied mich für eine rosa-rot-beige-farbige Wildseide, die mich von ihrem Ballen aus anlächelte. Ein schmaler Nahtreißverschluss war nicht zu bekommen und so griff ich zum Standard-Reißverschluss im passenden Rotton. Noch das Nähgarn dazu und für runde 18 € trug ich den Rock in Spe nach Hause.

Am Wochenende ging es dann an die Arbeit und es hat mich den kompletten Sonntag gekostet, das ausgewählte Rockmodell annähernd fertig zu bekommen. Die Teile auszuschneiden ging ja noch relativ schnell. Genau wie das Umnähen mit der Maschine, um ein Ausfransen zu verhindern. Dann aber ging es ans Eingemachte: die Abnäher und die Kellernähte wollten zum zweiten Mal korrekt platziert werden, da sich die Schneiderkreide leider schneller als geplant vom Stoff verabschiedet hatte. Aber vor allem die sichtbaren Reißverschlussnähte haben mir zu schaffen gemacht. Dank „annekata“ war das Knowhow dabei weniger problematisch als die regelmäßige Stichelkunst, die sich erst gegen Ende der Bundeinfassung besserte. Übung macht wohl auch hier die Meisterin.

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Jede Näherin wird wahrscheinlich den Kopf schütteln, aber ich habe völlig darauf verzichtet, den Rockschnitt vor dem Nähen nachzumessen. Deshalb war der Moment am spannendsten, als ich den Rock vor dem Einfassen des Bundes zum ersten Mal anprobiert habe. Und freudestrahlend kann ich berichten: die 38 ist auch wirklich eine genau passende 38. Der Rock sitzt wie maßgeschneidert. 🙂

Im Moment ist der Saum noch offen, weil ich vorhabe, ihn mit einem dunklen Band einzufassen und im gleichen Farbton verschiedene Applikationen aufzunähen. Ich habe keine Ahnung, wie es werden wird und habe ehrlich gesagt auch ein wenig Bedenken, ob ich das ganze nicht „verschlimmbessere“. Aber so wie der Rock im Moment aussieht, ist er mir zu langweilig. Deshalb geht es jetzt gleich zum örtlichen Stoffparadies, um nach geeignetem Verschönerungsmaterial Ausschau zu halten…

Falls sich jemand fragen sollte, warum ich mit der Hand genäht habe, so ist die Antwort einfach:
Ich neige beim Nähen mit der Nähmaschine zum „Huddeln“; Nähgeschwindigkeit und Können passen nicht zusammen. Davon abgesehen neigt meine Nähmaschine zum plötzlichen, unerwarteten und nicht vorhersehbaren Schlaufenziehen des Unterfadens. Da dies grundsätzlich an der schlimmstmöglichen Stelle passiert und mir immer erst auffällt, wenn ich die Naht zu Ende genäht habe, ist unser Verhältnis ein wenig gespannt.
Wenn ich jedoch mit der Hand nähe, bin ich um ein Vielfaches konzentrierter und genauer. Davon abgesehen kann ich mich überall hinsetzen, wo genügend Licht vorherrscht, kann es mir also auch mal auf der Couch oder der Terrasse bequem machen.
Und außerdem ist handgemacht einfach handgemacht: da stecken Seele und Liebe drin. 🙂

Nachtrag:
Im Artikel „Das Ende eines Sommers“ sieht man übrigens den fertigen Rock.

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