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Oft brauche ich Ruhe beim Arbeiten. Ich hebe mir das Schären für die Momente auf, in denen außer mir keiner zuhause ist, und man erkennt unzweifelhaft, dass ich vergessen habe, den Stecker des Telefons aus der Wand zu ziehen, wenn einem ein unfreundliches „Was???!!!“ entgegenfaucht.

Allerdings gibt es da auch die andere Seite an mir, die es liebt, mit anderen quatschend zusammenzusitzen, dabei vor sich hin zu arbeiten, über ein Projekt zu labern oder sich die nächsten tausend Projekte in bunten Worten auszumalen oder gar gemeinsam zu planen.
Für das Stricken und Spinnen habe ich lokale Treffs gefunden, aber leider wohnen keine anderen Weberinnen in meiner Nähe – oder zumindest weiß ich nichts davon. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum meine Finger unkontrolliert zucken und die Worte „Ich bin dabei“ tippen wollen, sobald ich im Internet über einen WAL stolpere. Bei einem solchen Weave-ALong gibt es ein Thema oder ein konkretes Projekt und jeder, der dazu Lust hat, setzt es nach seinen eigenen Vorstellungen um. Ideen, Probleme und Fortschritte werden fortlaufend ausgetauscht, Bilder gezeigt und man staunt immer wieder, was den anderen eingefallen ist, kann helfen oder lernen.

Im Mai war es mal wieder soweit. Eigentlich wollte ich als nächstes ein Kissen weben. Es sollte ein ganz spezielles Motiv bekommen, nämlich eine Spirale – das Symbol für Liebe, Sinnhaftigkeit und das Göttliche. Noch bevor ich anfangen konnte, wurde allerdings ein WAL zum Thema „Streifen“ ins Leben gerufen und natürlich wollte ich mitmachen. Was also tun?

Ich habe ein wenig geschummelt: der Hintergrund der Spirale wurde gestreift und schon passte das Kissen ins Thema. 🙂
Da die Spirale in einer anderen Farbe aus dem Hauptgewebe weich und kuschelig hervorstehen sollte, habe ich mich für Loop Pile entschieden. Der Schussfaden wird dabei um einen dünnen Stab (z.B. eine Stricknadel) geschlungen und bildet so über jedem zweiten Kettfaden eine kleine Schlaufe. Damit wirkt das Webstück wie eine Art Frotteestoff. Zwischen einem solchen Schuss werden zwei bis drei normale Schüsse eingebracht, um die Schlaufen zu stabilisieren.

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Ich mag mein Kissen; die Farben und die Form der Spirale gefallen mir gut.
Aber ich glaube, ich würde beim nächsten Mal ein anderes Material wählen. Etwas, das sich in den Schlaufen „aufplustern“ und am Kettgarn verhaken kann, so dass sich die Loops schwerer auflösen und der Abstand zwischen den Loop-Reihen kleiner wirkt. Vermutlich also Wolle. Vielleicht wäre es dann auch sinnvoll, zwei verschiedene Schüsse zu verwenden und den Grundschuss mit einem dünneren Material zu weben.
Eventuell würde es ja auch schon reichen, den Stoff ein wenig enger einzustellen; die 7.5epi könnten zu grob gewesen sein.

Aber man lernt ja bekanntlich aus Fehlern. Und da es noch zwei andere Symbole gibt, die ich gerne in Kissenform umsetzen möchte, werde ich die Abwandlungen in Material oder Sett einfach mal ausprobieren… und berichten.

Ach ja… Kleiner Nachtrag zum Frottee:
Es gibt anscheinend einen Unterschied zwischen Frottee und Frottier. Bei ersterem wird einfach ein Schlaufengarn verwendet, während beim anderen wohl mit zwei Ketten gearbeitet wird, wovon die eine in losen Schlingen durch das Grundgewebe nach oben und unten geführt wird.

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