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Dieses Wochenende ist besonders: Wellness der faserigen Art.
Nein, kein teures Hotel, keine Massagen (hm, vielleicht sollte ich über diesen Teil noch einmal nachdenken), kein Sportangebot.
Zwei Tage Träumen, Schamanisch Reisen, Spinnen, Stricken, Weben, Nähen, Lesen, Schreiben, Musikhören, Nichts-Tun,… nach Herzenslust und ohne Unterbrechungen, denn außer dem Hund und mir ist niemand zuhause.

Und tatsächlich begann der heutige Samstag mit einem ausgedehnten, erholsamen Frühstücksbrunch, gefolgt von einem ausgedehnten, erholsamen Hundespaziergang.

Voller Schaffens-Vorfreude war ich schließlich wieder daheim und das einzige, das mich quälte, war die Frage, mit was ich anfangen sollte. Die Moorschnucke!, schoss es mir durch den Kopf. Endlich würde ich in Ruhe meine Handkarden ausprobieren können. Glücklicherweise hatte ich rechtzeitig vor dem Wochenende noch gewaschene Flocken gekauft. Okay, ich gestehe: es war unvorbereitet und ungeplant. Aber „Moorschnucke“ klingt einfach niedlich, oder? So schnuckelig eben. Da denkt man an Weichheit und Wärme… vor allem an Weichheit. Hm.

Der erste Griff in die Tüte versprach auch Flauschiges. Aber nur der Erste. Bei genauerem Hinsehen stellte ich dann nicht nur viel starres Gehaare, sondern auch noch jede Menge Zusammenklumpereien fest. Doch ich bin ja nicht faul und nur zum Auflockern hätte ich auch keine Handkarden gebaucht. Also nichts wie raus bei dem tollen Wetter, auf die Terrasse gesetzt und loskardiert.

Eine Stunde und ein Dornfelder-Schorle später lag ein kleiner Berg flauschiger Faserwölkchen vor mir, die auf der Oberseite richtig klasse, am Bauch jedoch immer noch „knotig“ aussahen.

Für Kleidung würde sich die Wolle niemals eignen, soviel war klar. Aber vielleicht wenigstens als Teppich? Immerhin würde auch der Webstuhl Futter brauchen und ein kleiner Vorleger sei doch ein geeignetes Einstiegsprojekt, dachte ich und setzte mich ans Spinnrad.
Hatte ich schon erwähnt, dass der Samstag bis dahin sehr schön gewesen war? Harmonisch, ruhig, entspannend?

Das änderte sich schlagartig, als ich die ersten Zentimeter auszog. Klümpchen an Klümpchen.
Nach einigen Minuten des Ausziehens, Korrigierens, Rauszupfens, Aufdrehens und neu Spinnens gab ich auf. Dann halt „Artyarn“. Immerhin würde dabei der geplante Navajo-Ply nicht auffallen. Mit regelmäßigen Bewegungen versponn ich ein Wölkchen nach dem anderen und bemühte mich, die immer wieder entstehenden Faserbollen zu missachten. Der Frust legte sich und ich begann die Hoffnung zu nähren, dass ich doch noch ein schönes Teppich-Garn zum Weben erhalten würde. Unregelmäßigkeiten wären ja nicht schlimm – im Gegenteil, ein gewisser rustikaler Touch wäre eher willkommen (ja, ich hab‘ den 2. Dan im Schönreden 😉 )

Tja und dann begann das Verzwirnen. Die ersten Zentimeter liefen auf die neue Spule und plötzlich war Schluss. Ein dicker Faserknoten verstopfte das Einzugsloch, obwohl ich die Öffnung doch immer für so groß gehalten hatte. Nur durch manuelles Drehen des Flyers mit gleichzeitigem Festhalten der Spule und gleichzeitigem Festhalten der Navajo-Schlaufe, die sich verzweifelt darum bemühte, zu einem gordischen Knoten zu werden, konnte ich den Faden einziehen und schließlich weiterspinnen. Bis nach einigen Zentimetern dasselbe Probleme wieder auftauchte. Und wieder. Und wieder.
Das Garn war borstig, starr und unerwartet dick. Das Käferchen hatte zu kämpfen. Mühsam zog es Zentimeter um Zentimeter ein, bis der zweifädige Antrieb schließlich völlig aufgab und ich in der Mitte der Spule auf den PUR-Riemen umsteigen musste. Mit dem Bremsfederzug am Anschlag schaffte ich es schließlich, die Spule fertig zu zwirnen.

Die Mordlust stand mir in den Augen, als ich den abgewickelten Strang unter Wasser drückte. Sollte die Wolle doch absaufen! Und wer hatte diese Schafe eigentlich Moorschnucken getauft? Sisal-Böcke wäre passender!

Als ich das Garn schließlich aus dem Entspannungsbad nahm und über die Wäscheleine hing, war ich ein wenig versöhnlicher gestimmt. Eigentlich sah es ja ganz schön aus. Es würde wohl doch nicht in der Tonne landen.

Aber dennoch bleibt die Frage, was ich mit dem Kilo-Sack Moorschucken-Flocken anfangen werde. Der Aufwand, den ich betreiben müsste, um daraus genügend Garn für einen Teppich zu machen, ist mir zu hoch, Mensch und Material dabei deutlich überfordert. Was also tun?

?Was macht ihr Sinnvolles mit euren Fehlkauf-Beständen?
Oder gibt es noch Hoffnung für die Schnuckenflocken? Hat vielleicht jemand einen Tipp für die verzweifelte Spinnerin?

Günstige Schacht-Bulky-Flyer-Set-Angebote werden dankend angenommen! 😉

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