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Erwartungsgemäß hatte sich die Nacht zum Samstag wie Kaugummi gezogen und mein Schlafbedürfnis war alles andere als befriedigt, als morgens um 05:30 Uhr der Wecker klingelte und ich mich auf den Weg machte…Gegen Mittag kam ich schließlich an meinem Bestimmungsort in Nordholland an, den Magen zwischen den Kniekehlen. Aber Essen kam nicht in Frage; ich wollte endlich meinen zukünftigen Webstuhl sehen! 🙂
Das Haus war nicht schwer zu finden und durch die nette Verkäuferin erfuhr ich, dass der Webstuhl wohl mal ihrer Oma gehört habe. Irgendwie sei es schön, meinte sie, dass dieser nun wieder nach Deutschland zurückkehren würde, denn dort habe ihn Omma seinerzeit gekauft. Und tatsächlich konnte sie uns sogar noch zwei Webebeilagen einer Webwerkstatt in Hamburg und eine Art Teile- bzw. Aufbauanleitung in die Hände drücken.

Stück für Stück schleppten wir die Einzelteile ins Auto und mit jedem Teil wuchsen meine Zweifel, ob ich dieses „Ding“ tatsächlich in einen schönen, angenehm zu handhabenden und funktionierenden Webstuhl würde verwandeln können. Zu guter Letzt wanderten noch ein Karton voller Bücher und Kleinzeugs sowie eine Tüte voller Garnkonen von Omma in den Kombi und so schnell, wie ich in der holländischen Garage gestanden hatten, saß ich auch wieder draußen im Auto.

An der Küste, bei einem Stück leckeren Fisches, streckte ich dann erst mal das Gesicht in die Sonne und so langsam fiel die Anspannung der letzten Tage von mir ab. Während ich die wunderbar frische Luft genoss, kehrte auch meine Zuversicht zurück, dass ich es schaffen würden, den Haufen Chaos tatsächlich in einen funktionierenden Webstuhl zu verwandeln.

Diese Stimmung konnte ich bis fast zum Ende des Tages aufrecht erhalten, bis ich nach 18 Stunden endlich wieder daheim in meinem Bett lag.

In eineinhalb Wochen wird’s dann losgehen mit der Arbeit. Was das alles sein wird? Naja, auf den ersten Blick

  • die lackierten Holzstücke saubermachen und evtl. fein überschleifen
  • die Stoßkanten abschleifen, die nicht nur unansehnlich, sondern an manchen Stellen leicht angeschimmelt wirken
  • alle Metallteile bearbeiten, da sie im Moment blind und angegammelt aussehen
  • den Webkamm ersetzen; ich denke nämlich nicht, dass ich dieses völlig verrostete Teil nochmal sauber bekomme
  • die Schürzen, die um die Bäume gewickelt sind, waschen oder ersetzen
  • und vermutlich vieles andere noch, das ich jetzt nicht einmal ahne

Aber irgendwie freue ich mich sogar darauf. Denn wenn er erst mal fertig ist, wird er nicht irgendein Webstuhl sein, sondern der Webstuhl, in den ich schon viel Kraft und Mühe investiert habe und mit dem ich vielleicht schon ein wenig zusammengewachsen sein werde, bevor ich auch nur einen Zentimeter darauf gewebt habe. Und die kleine, böse Stimme, die mir einzureden versucht, dass ich mich mit der Sache völlig übernommen habe und den Webstuhl nie schön herrichten, geschweige denn zum Weben bringen werde, bekommt Redeverbot!

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