Abschied
Geschrieben von - 11. September 2012
Ja, ihr habt richtig gelesen – ich werde mich aus dem Bloggerdasein zurückziehen.
Es hat viel Spaß gemacht und ich habe mich über die Kontakte, die entstanden sind, wirklich sehr gefreut.
Aber im Laufe der letzten Wochen und Monate hat sich nicht nur mein Wohnort geändert, sondern es haben sich auch andere Gewichtungen und Sichtweisen ergeben.
Wer sich mit mir über das Weben, Spinnen oder den Schamanismus austauschen möchte, ist im persönlichen Gespräch herzlich willkommen, aber ich werde nicht mehr darüber bloggen.
Ich danke euch für die schöne Zeit und eure netten Kommentare. ![]()
Macht’s gut!
Und angewebt
Geschrieben von - 28. August 2012
Ich kann nicht behaupten, dass ich es nicht vorher gewusst hätte.
Mir war klar, dass ich ab dem Augenblick, an dem ich den Webstuhl in Betrieb nehme, keine Lust auf Wohnungs-Sokoban mehr haben werde. Und nichts mehr auf die Reihe bekommen werde. Trotzdem musste ich es tun. Bin ich web-süchtig?
Ja, ich habe mit dem neuen Projekt weitergemacht und konnte tatsächlich schon anweben:
Und wer jetzt denkt: das ist bei den paar Fäden ja keine große Sache, der denkt wie ich … vorher.
Bisher hatte ich mit 4 Schäften gewebt, doch diesmal wollte ich Leinwandbindung weben, also zweischäftig. Die übrigen zwei Schäfte auszubauen, dazu hatte ich keine Lust. Also mal schnell die Verbindungen der Querschemel zu den Tritten lösen, dachte ich. Und los gehts. Aber nein, zuerst müssen noch die unbenutzten Schäfte ein wenig hochgebunden werden, um die Wippen zu entlasten. Aber dann!, dachte ich.
Dann hat die vorderste Wippe im Kasten geschliffen. Nun gut, dann halt nur noch den Wippenkasten ausrichten, so dass die Schäfte senkrecht hängen. Aber dann!
Tja, dann hat es immer noch geschliffen.
Was nun dazu führt, dass sich das Gleichgewicht nach dem Loslassen der Tritte nicht wirklich einstellen will, der Tritt also “drin” bleibt, bis ich den anderen benutze. Hmpf. Das erinnert mich an den Rollenzug, wenn auch zugegebenermaßen das Fach sauberer öffnet.
Außerdem hat die Benutzung des großen Kontermarschs für diese schmale Kette ein bisschen was von “mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Aber die 10m Kette hätte ich bestimmt nicht auf den Webrahmen bekommen.
Und so kann ich bei den zweiten Zehn wenigstens mal das Anknoten der Kettfäden ausprobieren… wie immer hat alles seine Vor- und Nachteile.
Das hier ist übrigens das verwendete Garn:
im Schuss ein Rowan-Sonderposten, gemixt mit naturfarbenem Cottolin von Herrn Künzl, das ich auch für die Kette verwendet habe. Sehr farbharmonisch und weicher als auf der Abbildung. Ich bin gespannt…
Soviel sei noch verraten:
meine Gewebevorplanung beschränkt sich diesmal auf ein Minimum, die Farb- und Struktureintragungen werde ich spontan und aus dem Bauch heraus arbeiten, frei nach dem Saori-Gedanken: ich bin keine Maschine, versuche auch gar nicht erst wie eine solche zu weben und Fehler gibt es nicht.
Umgezogen und aufgezogen
Geschrieben von - 27. August 2012
Seit Donnerstag ist der Webstuhl aufgebaut und damit ist das deutliche Zeichen gesetzt: hier bleibe ich!
Mein neues Studio grenzt direkt an’s Wohnzimmer und ist somit immer und jederzeit erreichbar; “Studio” deshalb, da der Begriff “Arbeitszimmer” irgendwie nicht passen will und “Spielzimmer” bei einem Erwachsenen doch eher anrüchig klingt.
Wie auch immer – das Zimmer ist sehr schön hell und gemütlich und lädt schon jetzt zum Weben, Spinnen und Nähen ein, obwohl es noch gar nicht fertig eingerichtet ist.
Das ist auch der Grund, warum es heute um meine Selbstbeherrschung geschehen war und ich, trotz des allgegenwärtigen Kistenwahnsinns, mit einem neuen Projekt beginnen und eine Kette aufziehen musste. Nein, weder Vorhang noch Teppich wird es werden – obwohl ich beides noch benötige. Die Kette ist 9.5cm breit und 10m lang und damit die längste Kette, die ich bis dato geschärt habe. Eigentlich hätte sie 20m lang werden sollen, aber das hat mein Schärrahmen nicht hergegeben, so dass ich nun mit zwei Ketten nacheinander arbeiten werde. Neugierig geworden?
Mehr wird noch nicht verraten…

Schneckenhaus
Geschrieben von - 28. Juli 2012
Obwohl ich ja das Laptop schon eingepackt und eigentlich überhaupt gar keine Zeit zum Schreiben habe, muss ich einfach von meiner Begegnung eben mit einem sehr faszinierenden Wesen im Wald berichtet.
Vor mir auf dem Weg richtete sich langsam etwas auf, was aus der Entfernung wie ein Stein wirkte, sich beim Näherkommen jedoch als das größte Schneckenhaus entpuppte, das ich in unserer Gegend jemals gesehen hatte. Ich konnte nicht anders, als mich hinzuhocken und die Schnecke ein wenig zu beobachten und was soll ich sagen: toll!
Das Scheckenhaus hatte eine wunderschöne Geometrie und die Bewegungen der Schneckenfühler und des Körpers wirkten geschmeidig und dehnbar. Natürlich hatte ich keine Kamera dabei, aber damit ihr euch ein Bild machen könnt, verlinke ich hier mal eine Schnecke bei Wikipedia (Fotograf Mussklprozz), die ein wenig ähnlich aussieht:

Während ich also so dasaß und den langsamen Bewegungen des Tieres zusah, wurde mir klar, dass die Schnecke in unserer Kultur nicht gerade gut weg kommt. Im heimischen Garten gilt die Schnecke als Schädling und im Sprachgebrauch wird sie durchweg negativ bewertet: man ist langsam wie eine Schnecke, zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, oder man schleimt herum bzw. hinterlässt eine Schleimspur.
Dabei ist gerade der Schleim eine geniale Strategie, denn er schützt nicht nur vor Austrocknung und hält manchmal Freßfeinde fern, sondern ermöglicht durch seine Zusammensetzung als Gleitmittel oder Kleber die anstrengende Fortbewegung der Schnecke, die damit sogar glatte Wände hochgehen kann. Naja zumindest könnte, denn die Produktion des Schleims scheint für die Schnecke aufwändig zu sein, so dass jeder Schritt überlegt sein will und man das Tier nicht gerade als Sprinter bezeichnen kann.
Damit aber kann die Schnecke zu einem wichtigen Lehrmeister werden. Denn eines ist die Schnecke immer: sie ist bei sich.
Sie stürmt nicht blind in eine Richtung los, sondern macht sich bewusst und gezielt auf den Weg. Dabei entfernt sie sich nie allzu weit von ihrer eigenen Mitte, und auch wenn die Fortbewegung auf ihrem Weg anstrengend und mühsam wird, gibt sie sich immer selbst ein Zuhause, das ihr Schutz bietet und sogar mitwachsen kann.
Schnecken stehen damit für Meister der bedächtigen Zentrierung und können in hektischen Zeiten hilfreiche Ratgeber sein, um die eigene Mitte wieder finden zu können. Sie betonen die Wichtigkeit, sich einen ganz persönlichen Rückzugsort (mental und/oder materiell) zu schaffen.
Netterweise hat mir die Schnecke einen guten Umzug gewünscht. Na, wenn das mal nicht ein gutes Omen ist!
Manchmal stur
Geschrieben von - 17. Juli 2012
Es ist Sommer! Und ich lasse mir im Sommer meinen Spaß an Flip-Flops nicht vermiesen!!!

Basta!
Umzug
Geschrieben von - 15. Juli 2012
Rückblickend ist vieles einfach.
Und wahrscheinlich werde ich auch irgendwann auf diesen Umzug zurückblicken und sagen: Naja, so schlimm war es doch gar nicht.
Aber im Moment ist es schlimm. Pappkartons türmen sich um mich auf – ebenso wie Mülltüten.

So ein Umzug bringt schon viel Bewegung ins eigene Leben. Vordergründig nur ein Ortswechsel, kann es doch das Einnehmen eines neuen Platzes bedeuten, das Neu-Einrichten im Leben, das Aussortieren von Altem welches nicht mehr passt und das Setzen neuer Schwerpunkte.
Deshalb kann ich auch nicht einfach “Karton auf – Zeug rein – Karton zu – und weg” umziehen, sondern muss mir Zeit nehmen zum Betrachten der Dinge, zum Anfassen und zum Abwägen: “Will ich das noch in meinem Leben haben? Brauche ich das wirklich noch?”
Dieses Aussortieren und Sich-Trennen braucht Zeit und Kraft, wirkt aber auch sehr befreiend. Und mit diesem neu-gewonnenen Freiraum wird es in ein paar Wochen auch hier im Blog wieder weitergehen können…


